Kentauren – bzw. Kentaurinnen, denn die Pferdemenschen selbst bevorzugen die weibliche Form – sind Wesen mit dem Oberkörper eines Menschen, der auf dem Leib eines Pferdes sitzt.
Die Kentaurinnen werden stets von einer Königin (Galwana*) beherrscht. Die Kentauren leben nicht monogam. Thronfolgerin kann jede Tochter des Gatten der Königin (Galwan) werden. Dieser deckt neben der Galwana auch ihre Schwestern – manchmal auch, wenn diese bereits verheiratet sind, v.a. aber die unverheirateten – und besonders begünstigte Höflinge, nicht aber die (königlichen) Prinzessinnen (Lewanas). Letztere werden um das fünfundzwanzigste Lebensjahr mit meist deutlich jüngeren Prinzen (Letanen) vermählt, die einem Adelsgeschlecht angehören müssen, aber keiner der beiden Herrscherfamilien entstammen – also nicht bereits Lewane sein – dürfen. Bevor ein adeliger Prinz durch Vermählung oder Verlobung mit einer Lewana zum Lewan wird, wird er – wie die Töchter der Fürstinnen (Wantanas), die Letanas – als Letan bezeichnet. Seit etwa 5.000 Jahren entstammt der grasländische Galwan stets dem östlichen Lertinland – und umgekehrt – ist dort aber nicht Angehöriger der Königsfamilie. Lewane werden mit dem Aufstieg ihrer Gemahlin zum Galwan. Stirbt die Galwana, so verlieren sie diesen Status und werden erneut zum Lewan. Dieser Titel bleibt erhalten, auch wenn der Hengst ursprünglich ein Letan oder Lekan war. 3.910 VBW begründete Galwana Audilan die Aufrechte (3.966-3.902 VBW) mit der Hochzeit ihrer Tochter Mirthate (3.933-3.853 VBW) mit dem lertinischen Letan Kaalutai (3.925-3.855 VBW) und der gleichzeitigen Vermählung von Nilewana Siinaya von Lertinua (3.934-3.840 VBW) mit dem Letan Otund (3.923-3.851 VBW) die Tradition der wechselseitigen Heiraten in den Herrscherhäusern des Ost- und des West-Galwanats. Hin- und Rückreise geschahen über die gefährliche und beschwerliche Kawwalik-Route, teilweise über Land. Bis zum Untergang des Vintrosischen Imperiums 3.333 VBW beschränkten sich die Wechselheiraten auf die Herrscherhäuser. Heute stammen auch viele Letane bzw. Lewane und sogar Lekane aus der jeweils anderen Nation. Alle Herden im Reich bereiten ihre stärksten, schnellsten und schönsten Hengste auf eine potentielle Rolle als Lewan/Galwan vor. Die Galwanas sorgen so für Auffrischung des Erbguts der Herrscherfamilie, binden ihre Vasallen durch familiäre Verflechtungen und festigen zugleich die Allianz ihrer zwei Reiche.
Kentaurinnen bauen (i.d.R., Ausnahme: Khurimiin Tulgur) keine festen Städte und ziehen mit ihren Zelten nomadisch umher, stets auf der Suche nach neuen Weideflächen für ihre Viehherden.
* Während der Zeit als Vasall des Neu-jemnischen Kaiserreichs und im Anschluss an die Neu-jemnische Teilung war das Reich äquivalent zu den anderen Nachfolgestaaten des Neu-jemnischen Reiches organisiert gewesen. Zeitweise konnten sogar Hengste König werden. Während der Herrschaftszeit Innures (4.301-4.250 VBW) wurde die Galwanats-Idee auch im Güldenen Grasland populär. Im Zuge der Besetzung der Verbündeten Goldland und Olemiston durch Vintrosia kam es zu einer Abschwächung der transadamantischen Beziehungen durch die Sperrung der Goldmeerroute. Gegenseitige Besuche über das Eismeer oder gar über Land waren beschwerlich und infolgedessen selten. Zugleich führte jedoch die politisch-kulturelle Isolation in Stoonar infolge der vintrosischen Expansion zu einer engeren spirituellen Verbundenheit mit dem anderen Kentaurenreich, so dass sich die Galwanats-Idee ab etwa 4.000 VBW immer mehr durchsetzte. Einzelne Herrschaftsmerkmale und -titel wurden aus Astiam übernommen, bis schließlich im Jahre 3.915 VBW Königin Audilan den Titel der Galwana für das Güldene Grasland annahm und in der Folge das derzeitige System entstand, einhergehend mit der Umbenennung in Güldenes Galwanat.
Zeltstadt der Galwana
Die Galwana führt nicht zwangsläufig die größte Herde an. Aber ihre Herde gilt stets als die bedeutendste Herde im Land. Ihr Zelt ist groß und prunkvoll, hier hält sie Hof (Galwet – dies bezeichnet sowohl das Zelt als auch die Institution; die Zelte von Wantana und Eltana nennt man Walwet bzw. Elwet, umgangssprachlich werden sie jedoch meist auch als Galwet bezeichnet, v.a. wenn die Institution/Gemeinschaft der Zeltbewohner gemeint ist). Die Hauptstadt wandert quasi. Das Zeltlager einer Kentaurinnenherde an der Lagerstätte nennt man Ookan, jenes der Galwana und ihrer Herde Giinookan. Beim Wechseln des Lagerplatzes wird das Galwet in seine Einzelteile zerlegt auf Karren gezogen. Die schlicht gehaltenen Unterkünfte des übrigen Hofstaats unterscheiden sich hingegen kaum von den Zelten des gemeinen Volks und werden wie diese zumeist auf dem Rücken getragen. Wenn wichtige Entscheidungen wie eine Kriegserklärung oder die Vermählung eines Prinzen – vor allem aber die Wahl einer neuen Galwana aus dem Kreis der (passiv) wahlberechtigten Lewanas durch die (aktiv wahlberechtigten) Wantanas und die Priesterkaste (s.u.) – anstehen, ziehen die Herde der Nilewana (favorisierte, oft älteste Tochter der Galwana, Kronprinzessin und – nach dem Tod der Mutter – Wana der Herde, jedoch ohne Erbanspruch für das Gesamtreich) und alle anderen Herden des Reiches (bzw. deren Vertreter, also in der Regel die Anführerinnen aller Adelsherden und deren Entourage**) an einen zentralen Versammlungsort (Lertinswiesen), wo ein großer Rat (Herdenrat) einberufen wird, an dem alle Fürstinnen – d.h. die Anführerinnen ihrer Herden – teilnehmen. Je nach Anlass kann dies mit ausgedehnten Festivitäten einhergehen. Die Nachfolge der Wantanas innerhalb der Herden (s.u.) verläuft analog: die Eltanas und (Hohe-)Priesterinnen der Herde wählen eine Nachfolgerin. Der Titel der Eltana hingegen ist erblich und fällt stets an die Nilekana. Die anderen Lekanas bilden die wichtigste Kriegerkaste (s.u.). Sie können jedoch auch zur Eltana aufsteigen, es gibt eine Erbfolge. Kentaurinnen führen Zelte mit, wenn sie migrieren. Wenn sie reisen (v.a. zwischen Ost- und Westreich) haben sie keine Zelte dabei, denn dann müssen große Strecken schnell zurückgelegt werden. Entlang der Reiseroute vom Ost- ins West-Galwanat und umgekehrt gibt es eine speziell auf die Kentaurinnen ausgerichtete Infrastruktur, z.B. Gasthäuser mit Stall-artigen Zimmern, Hufschmiede & insbesondere die Tabarinen Garindors.
** Wenn andere Anführerinnen als die Nilewana mit ihrer gesamten Herde – oder auch nur der gesamten Eleg – zum Versammlungsort ziehen (dies ist nur für Versammlungen anlässlich der Wahl einer neuen Galwana dokumentiert) bedeutet dies meist, dass sie mit Uneinigkeit bei der Wahl rechnen und deshalb Kampfhandlungen erwarten. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn einige der Fürstinnen sich von der Wahl einer anderen Lewana als der Nilewana wirtschaftliche Vorteile oder größere Autonomie für ihre Herde erhoffen – es ist durchaus üblich, dass ambitionierte Lewanas in geheimen Verhandlungen im Vorfeld der Wahl entsprechende Versprechungen machen. Es kann aber auch vorkommen, dass der Herdenrat eine der anderen, eigentlich nicht wahlberechtigten, Wantanas zur neuen Galwana wählt, vor allem dann, wenn die Entwicklung des Gesamtreiches stagniert. Da das Wahlrecht diese Möglichkeit nicht vorsieht, kommt es dann zwangsläufig zum Bürgerkrieg zwischen den Anhängern der Nilewana und jenen der gewählten Galwana. Während dies historisch häufig eintrat liegt der letzte Bürgerkrieg im Ost-Galwanat nunmehr fast 2.000 Jahre zurück. Wantana Tabitham (882-808 VBW) von der Goldmähnen-Herde, genannt Goldschweif, wurde anstatt der Nilewana Aubinaut »Harthuf« (888-845 VBW) von der herrschenden Hochschulterer-Herde zur Galwana gewählt. Der anschließende Konflikt wurde im Zuge des Peruuvaa-Vorfalls Teil eines den ganzen Kontinent umspannenden Krieges. Die mit Goldland verbündeten Goldmähnen gewannen schließlich. Seitdem stellt die Dynastie der Goldmähnen-Herde stets die Galwana.
Die Rolle der Hengste
Hengste sind sehr selten (Verhältnis 1:25), deshalb bleiben gefährliche Aufgaben wie Krieg und Jagd den Stuten überlassen. Man findet sie in den kentaurischen Zeltlagern, wo sie viele organisatorische Aufgaben übernehmen. Adelige Hengste, insbesondere die Prinzen – Lewane (potentielle Galwane) und Letane (potentielle Lewane) – und die Deckhengste der Wantanas, die Wantane, sind mit vielen repräsentativen Pflichten betraut. Natürlich kommt es auch vor, dass Lewane bzw. Letane geboren werden und diesen Status nicht durch Heirat erlangen. Diese werden zwangsläufig mit Letanas oder verwitweten Wanas aus dem jeweils anderen Kentaurenreich vermählt und behalten den Titel des Lewans/Letans bei. Die Rolle der Hengste ist es, Kinder zu zeugen, schön, schnell und stark zu sein. Für Politik und Militär wird ihnen zumeist gesellschaftlich die Kompetenz abgesprochen, sie gelten als das »weiche Geschlecht«.
Zum Herdenbegriff
Eine Herde umfasst i.d.R. einige tausend bis etliche zehntausend Mitglieder. Herden sind in Unterherden, sog. Elegs, aufgegliedert, deren Größe wiederum von nur ein paar Dutzend bis zu tausenden Individuen variieren kann. Die verschiedenen Elegs einer Herde migrieren nur in sehr seltenen Ausnahmefällen gemeinsam. Herden sind am ehesten den menschlichen Fürstentümern vergleichbar, Elegs den Städten und Dörfern (bzw. Baronien etc.), die gemeinsam ein solches Fürstentum bilden. Die Anführerin einer Eleg nennt man Eltana, ihren Mann Eltan und ihre Kinder Lekana bzw. Lekan. Analog zu den Letanen steigen Lekane durch Heirat mit einer Letana zum Letan auf. Auch die Lekane übernehmen als potentielle Letane viele repräsentative Aufgaben, ebenso die Eltane als Deckhengste der Eltanas. Lekanas heiraten in der Regel nichtadelige Hengste, in seltenen Ausnahmefällen Lekane (meist Liebesheiraten gegen den Willen der Eltern). Da die Kentaurinnen nomadisch leben sind Adelstitel bei ihnen nicht an das Land, sondern an die Bevölkerung, also die jeweilige Herde bzw. Eleg, gebunden. So spricht man von der Wantana (oder Wana) der Goldmähnen (Herdenname), nicht der Wantana von Lertinsland (Gebiet). Dennoch beanspruchen die einzelnen Herden bestimmte Gebiete für sich. Die Grenzziehung zu den jeweiligen Nachbarherden bleibt dabei zumeist eher ungenau und erlaubt eine gewisse Flexibilität – zumindest, wenn sich die benachbarten Herden gut verstehen. Es gibt jedoch auch einige festgelegte Zu- bzw. Duchgangs- und Verweilrechte für bestimmte Situationen. Dazu gehören Katastrophen wie Hungersnöte und Dürren ebenso wie regelmäßig oder saisonal auftretende Notwendigkeiten – v.a. Viehtrieb & Jagd, verschiedene militärische Lagen und insbesondere der Kriegsfall, religiöse Feste und Rituale sowie Wettbewerbe und -rennen. Diese Rechte sind von der Galwana garantiert und dürfen nicht verweigert werden. Sie werden sogar schriftlich fixiert. Dabei ist die Kultur der Kentaurinnen im Wesentlichen eine orale und kennt auch keine eigene Schrift. Wohl vor allem aus praktischen Gründen: große Mengen Papier sind schwer. Ältere Materialien wie Schiefer- und Tontafeln eigneten sich noch weniger für die nomadische Lebensweise. Bardinnen, Dichterinnen, Erzählerinnen, Chronikerinnen (die die Geschichte ihrer Herde oder ihrer Eleg detailgetreu festhalten und mündlich überliefern) und Kalkulatorinnen – Buchhalterinnen mit sehr gutem Gedächtnis – sind dementsprechend hochangesehen und nehmen eine gesellschaftlich sehr bedeutende Rolle ein. Daneben gibt es jedoch durchaus Schriftgelehrte, welche oftmals Hengste sind, die zwar eine wichtige Funktion erfüllen (besonders, weil Vereinbarungen mit dem Ausland bereits seit geraumer Zeit schriftlich getroffen werden), aber nur geringes gesellschaftliches Ansehen genießen (die Situation ist vergleichbar mit den Magierinnen, s.u.). Wichtige Rechtsvorgänge und Handelsvereinbarungen werden aufgeschrieben, dabei wird i.d.R. das goldländische Alphabet verwendet. Die Händlerinnen des Güldenen Galwanats benutzen in der Buchhaltung goldländische, jene des West-Galwanats zwergische Zahlen.
Königin: Galwana (Herrscherin des Reichs)
König: Galwan
Prinzessin: Lewana – Favoritin der Galwana: Nilewana
Prinz: Lewan
Fürstin: Wantana (früher: Wana; der Begriff bezeichnet heute eine Herrscherin unabhängig vom Status) (Herrscherin der Herde)
Fürst: Wantan
fürstliche Prinzessin: Letana – Favoritin der Wantana: Niletana
fürstlicher Prinz: Letan (wird durch Heirat mit einer Lewana zum Lewan; wird die Lewana später Galwana wird er zum Galwan)
Baronin: Eltana (Herrscherin des Elegs)
Baron: Eltan
Baroness: Lekana – Favoritin der Eltana: Nilekana
Baronet: Lekan (wird durch Heirat mit einer Letana zum Letan; wird die Letana später Wantana wird er zum Wantan)
Die neun Herden des Güldenen Graslands
Die Goldmähnen-Herde ist die politisch und militärisch mächtigste Herde des Güldenen Galwanats und stellt seit 845 VBW die Galwana. Sie bewohnt das zentrale und nördliche Lertinsland (nicht zu verwechseln mit der astiamischen Großregion Lertinland) und den Süden der Silberwiesen. Die Goldmähnen sind dafür bekannt, dass sie besonders große Viehherden halten, die viele äußerst stattliche Exemplare hervorbringen. In ökonomischer Hinsicht wird die Herde nur von den Weißmähnen in den Schatten gestellt. Vergleichsweise viele Angehörige der Herde, in etwa ein Viertel, haben helle Haare; nicht jedoch die Adeligen – durch die Vermischung mit den meist dunkelhaarigen lertinischen Kentaurinnen werden unter ihnen immer weniger Individuen mit hellen Haaren geboren, da die dunkle Haarfarbe ein dominantes Erbmerkmal ist. Die Mitglieder der Goldmähnen-Herde gelten als edelmütig, treu und zuverlässig, aber auch als aufbrausend und herrisch.
Die Trivillan-Herde siedelt nördlich der Goldmähnen in Silberwiesen und im Seburkerland. Der besonders intensive Kontakt mit den Menschen Goldlands hat Spuren im Wesen der Angehörigen dieser Volksgruppe hinterlassen; Militär und Wettbewerbsgedanke sind bei ihnen nicht so ausgeprägt wie bei den anderen Herden. Es gibt unter ihnen besonders viele Händlerinnen und Handwerkerinnen.
Die Hochschulterer-Herde war lange Zeit die dominante Herde im Güldenen Grasland; heute werden ihre Mitglieder oft als etwas arrogant wahrgenommen. Auch heute noch gilt sie als Herde furchtloser, geschickter Kriegerinnen. Sie hält sich zumeist im Westen Lertinslands bis hinunter zu den Lertinswiesen und im nordöstlichen Zwergental auf. Es gibt besonders viele groß gewachsene Kentaurinnen in dieser Herde, allerdings nicht unter den Adeligen (s.o.).
Mitglieder der Tiefschulterer-Herde kann man im Zwergental und im südwestlichen Lertinsland, bei den Lertinswiesen, antreffen. Die meisten Angehörigen der Tiefschulterer sind von auffallend kleinem Körperwuchs. Wie bei den anderen Herden sind in der Adelsschicht kaum körperliche Unterschiede zu beobachten. Die Tiefschulterer haben traditionell gute Handelsbeziehungen zu Weinland, insbesondere zu den Zwergen Kedrammons. Der Obstanbau ist bei ihnen beinahe so wichtig wie die Nutztierhaltung. Tiefschulterer gelten als besonders fleißige Arbeiter, die ihre Ziele äußerst hartnäckig verfolgen.
Angehörige der Estibur-Herde halten sich üblicherweise im östlichen Lertinsland auf. Sie gelten unter den Angehörigen der anderen Herden als gutmütig, edel und schön, wenn auch ein wenig einfältig oder sogar naiv.
Die Weißmähnen-Herde bewohnt den Westen der Grauwiesen und das südliche Lertinsland. Unter den Angehörigen des einfachen Volkes hat beinahe die Hälfte helle Mähnen und Schweife. Die vorherrschende Stellung im Handel mit den Zwergen Jattengmons, die dominante Stellung im Obstanbau und die gute Qualität des Weidelands im von ihnen bewohnten Gebiet haben im Laufe der letzten Jahrhunderte dazu geführt, dass die Weißmähnen eine wirtschaftliche Vormachtstellung unter den Herden des Güldenen Graslands einnehmen konnten. Weißmähnen gelten als sehr verlässlich und zugleich ungeduldig.
Die Netenne-Herde siedelt in den östlichen Grauwiesen und entlang der Fischmeerküste auf Stoons Zeh. Sie gilt als arm aber stolz.
Die Faltrivur-Herde bewohnt den Westteil und die Mitte von Stoons Zeh. Ihre wirtschaftliche Situation ist schlecht, aber nicht so heikel wie die der Südener. Obstanbau spielt eine große Rolle, der Nordteil des Landes ist jedoch ertragreicher.
Die Kentaurinnen der Südener-Herde gelten unter den anderen Herden des Güldenen Graslands als ungestüm und wild, ein wenig unzivilisiert. Man findet sie an der Spitze von Stoons Zeh, am östlichsten Zipfel von Festland-Stoonar. Unter den drei südlichen Herden war die Situation mit gegenseitigem Viehraub und daraus resultierenden Blutfehden über viele Jahrhunderte extrem, die Herden dezimierten sich gegenseitig und vor allem den Viehbestand und auch den Bestand an Obstbäumen derart stark, dass sie sich bis heute wirtschaftlich und demografisch nicht vollständig davon erholt haben; besonders schwer betroffen waren die aufbrausenden Südener, die oft mit beiden anderen Südreichen und oft noch zusätzlich mit anderen Herden im Clinch lagen. Netenne, Faltrivur und Südener verdingen sich sehr viel häufiger als Angehörige der anderen Herden als Söldnerinnen in Garindor. Mehr als ¾ der grasländischen Söldnerinnen entstammen einer der drei Herden, wovon wiederum etwa die Hälfte Südener sind.
Militär
Lekanas ohne Herrschaftsanspruch bzw. ohne Aussicht auf Herrschaft bilden das Rückgrat des kentaurischen Militärs. Sie befehligen als Offizierinnen die nichtadeligen Truppen. Dabei greifen sie auf ihre persönliche Gefolgschaft aus der eigenen Eleg zurück. Eine Schwangerschaft unterbricht den Militärdienst, nach kurzer Karenzzeit wird die Aufzucht der Kinder dann den Hengsten überlassen. Kentaurinnen trinken nur in den ersten Tagen nach der Geburt Muttermilch. Bereits seit tausenden von Jahren ersetzen sie diese bereits ab der zweiten Woche mit der Milch ihrer Rinder. Die Euter der Stuten sind daher verkümmert, was für Kriegsführung und allgemeine Mobilität äußerst praktisch ist.
Auch Kentaurinnen aus dem Ost-Galwanat verdingen sich als Söldnerinnen in Garindor, wenn auch seltener als ihre astiamischen Schwestern.
Namensgebung
Kentaurinnen tragen einen kurzen (fast immer ein- bis zweisilbigen) Elegnamen (wie Aum, Tum, Taumu) – andere Kentaurinnen können vom Elegnamen auf die Herdenzugehörigkeit schließen –, gefolgt vom Eigennamen und dem Mutternamen (hier wird die letzte Silbe des Namens der Mutter durch das Suffix -ukin ersetzt: Ambiraut→Ambirukin, Erthera→Ertherukin, Kiira→Kiirukin; bei Hengsten mit -khu: Ambiraut→Ambirkhu; Erthera→Ertherkhu, Kiira→Kiirkhu). Hochstehende Persönlichkeiten, insbesondere die Galwanas, tragen ausschließlich ihren Eigennamen, ggf. einen Beinamen.
Wirtschaft und Handel
Kentaurinnen und Kentauren ernähren sich überwiegend von Fleisch und Blut, Milch, Obst, Gräsern und Wurzeln. Im Notfall können sie recht lange überleben, indem sie ausschließlich Gras verzehren. Gepaart mit ihrer Mobilität stellt dies einen immensen militärischen Vorteil in scheinbar ausweglosen Situationen dar. In Friedenszeiten jedoch sind die großen Viehherden der größte Reichtum der Kentaurinnen. Die Viehhaltung ist wirtschaftlich, aber auch kulturell immens wichtig. Welche Tiere gehalten werden ist dabei regional verschieden. Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist der Obstanbau. Besonders entlang der Süderberge und um Lertinswiesen gibt es große Plantagen mit Obstbäumen, besonders ertragreich sind sie entlang des Pad.
Bei den zwergischen Händlern – es gibt keine Zwergenhandelsgesellschaft, man ist also auf deren Ankunft angewiesen (von zwergischer Seite gibt es regelmäßige, große Trecks, die den unterjährigen Handel ergänzen) – kaufen die Kentaurinnen Waffen, Werkzeuge, metallische Rüstungsbestandteile und auch Hufeisen. Zwergische Hufschmiede bringen letztere zumeist auch an, obschon die Kentaurinnen das zur Not oder um Geld zu sparen selbst bewerkstelligen können. Im Tausch erhalten die Zwerge viel Leder, Fleisch und Obst. Es gibt feste, teils unterirdische Lagerstätten für durch Handel und (früher) bei Raubzügen erworbene Reichtümer.
Außer mit den Zwergen handelt man v.a. mit Goldland, Weinland, Garindor und dem West-Galwanat. Daneben (nur passiv, d.h. man wartet auf eintreffende Schiffe) mit Wasserland und den Staaten der Ungeheuerinseln.
Religion
Lertin und Xamagon genießen im religiösen Alltag eine hervorgehobene Rolle. Nicht jedoch im selben Ausmaß wie im Westreich, wo zudem die Heiligenverehrung Badriehs verbreitet ist und Unterschiede zur Kirche des Adlers nur gering sind. Man erkennt jedoch in beiden Reichen die Oberhoheit der Mawina an und fühlt sich der Vereinigungskirche zugehörig. Ansonsten orientiert man sich im Ritus an der goldländischen Ausprägung der Vereinigungskirche.
Wichtig sind v.a. Tiwan-, Lertin- , & Xamagon-Geweihte. Den Priesterinnen (Burkhilnar) obliegt nicht nur die Weihe der Galwana, sie sind auch selbst wahlberechtigt. Die höchsten Tiwan-, Lertin- und Xamagon-Priesterinnen des Reiches verfügen über je eine Stimme im Herdenrat, gleichberechtigt mit den acht Wantanas. Daneben kommt ihnen eine zentrale Rolle in der Rechtssprechung zu.
Rolle der Magie
Die wichtigsten Magieformen bei den Kentaurinnen sind Wachstums- (besonders von Pflanzen, Tieren) und Heil-Zauberei sowie Wahrsagerei, daneben gibt es einige militärische Anwendungen, v.a. Schutz- und Stärke-Magie, aber auch klassische Kampfmagie (Telekinese, Erdwälle, Feuergeschosse etc.). Somit kommt vor allem Elementarmagie in der Erd-, Feuer- und Wind-Variante und rudimentäre Lebensmagie zum Einsatz, teilweise auch Sternenmagie. Es gibt nur wenige mächtige Magierinnen (Hengste werden generell nicht in Magie unterrichtet), da es keine eigenen Magieakademien gibt und nur sehr wenige Kentaurinnen eine Ausbildung im Ausland genießen. Die Magierinnen geben ihr Wissen aber an Schülerinnen weiter. Magiewirkende sind gesellschaftlich nicht geächtet, gelten aber als suspekt und ein wenig unehrenhaft. Zugleich sind sie natürlich militärisch und ökonomisch bedeutsam, so dass zaubermächtige Individuen oft über eine gewisse Macht, auch Reichtum, verfügen. Fast jede kentaurische Reisegruppe hat eine Magierin und eine(n) Schriftgelehrte(n) in ihren Reihen. Jede Eleg verfügt über mindestens zwei Magierinnen, wobei eine von beiden sehr häufig (i.d.R. zu anderen Elegs oder ins andere Reich) unterwegs ist, die je eine Schülerin haben. Stirbt eine der Lehrerinnen so nimmt die Schülerin deren Platz ein. Wenn in einer anderen Eleg eine Position als Magierin frei wird und sie eine spezielle Prüfung bestanden hat, kann sie auch ohne den Tod einer ihrer Lehrerinnen zur Magierin werden. Es wird dann stets eine neue Magieschülerin aus der eigenen oder einer benachbarten Eleg gewählt.
Kleidung
Kleidung und Rüstungen bestehen i.d.R. aus Rindsleder, teure Gewänder/Rüstungen sind aus Erkalbor-Leder. Die Reisekleidung der Kentaurinnen dient auch als Rüstung. Sie ist stets schlicht und in der Regel ungefärbt. Nur die bunten Erkalbor-Schweif-Büschel, die die Helme der hochgestellten Individuen zieren, heben sich farbig ab.
Geschichte
Aus der Randlage des Reiches auf dem stoonarischen Kontinent, zusammen mit der Tatsache, dass mit den benachbarten Völkern Goldland & Weinland meist Frieden oder Freundschaft herrschte, ergibt sich geringer militärischer & politischer Druck von Außen (abgesehen von gelegentlichen Invasionsversuchen von den Ungeheuerinseln, die stets kläglich scheiterten). Umso mehr waren die Kentaurinnen jahrhunderte-, wenn nicht jahrtausendelang in Bürgerkriege, Stammes- und Blutsfehden verwickelt. Mittlerweile sind interne Konflikte um die Oberhoheit selten, gelegentlich kommt es noch zu Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Herden vor allem um die Viehbestände, jedoch nicht mehr in dem Ausmaß wie dies historisch der Fall war.